JEREMIE

Einführung

JEREMIE steht für ‘Joint European REsources for MIcro to medium Enterprises’. Es ist eines der drei gemeinsamen Instrumente (zusammen mit JASPERS und JESSICA), die die Kommission gemeinsam mit internationalen Finanzinstitutionen für den Zeitraum 2007-2013 eingerichtet hat. JEREMIE ist eine gemeinsame Initiative von Kommission, Europäischem Investitionsfonds (EIF) und Europäischer Investitionsbank (EIB). Sie soll den Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten für die Entwicklung von Kleinstunternehmen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen erleichtern. Dies ist eine der Zielsetzungen der Strategie für Wachstum und Arbeit der EU. Strukturfondsmittel sind in der Vergangenheit meist in Form von Zuschüssen erbracht worden.

Durch JEREMIE können einige dieser Zuschüsse in Finanzprodukte für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) umgewandelt werden. Im Gegensatz zu Zuschüssen, die nur einmal gewährt werden können, können JEREMIE-Mittel, wenn sie zurückgezahlt wurden, immer wieder verwendet werden. Sie kommen auf diese Weise mehr KMU zugute als dies durch Zuschüsse möglich wäre und haben deshalb eine bedeutende Multiplikatorfunktion. JEREMIE ergänzt das Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP) der Generaldirektion Unternehmen und Industrie, welches andere Finanzinstrumente zur Förderung der Innovation anbietet.

EU-Kommissarin für Regionalpolitik, Danuta Hübner, zu JEREMIE:

"Die JEREMIE-Initiative hilft bei der Verbesserung der Zugangsmöglichkeiten zu Finanzinstrumenten und fördert damit Unternehmensneugründungen in den Regionen. Europa muss in diesem Bereich aktiver sein, wenn es mehr Arbeitsplätze in innovativen Industriezweigen schaffen will."

Danuta Hübner, Rede vor EU-MinisterInnen 11. Oktober 2005

Welche Art von Hilfe bietet JEREMIE?

JEREMIE ist keine Organisation, sondern ein vom EIF koordiniertes Rahmenprogramm, welches Finanzprodukte maßgeschneidert entwickeln kann, um Lücken in der Finanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen zu schließen. JEREMIE will hauptsächlich den Zugang zu Risikokapital erleichtern, denn dies ist ein Bereich in dem Europa hinter den USA her hinkt. Unter Risikokapital (risk capital bzw. venture capital im Englischen) versteht man Mittel, die in neue Geschäfts- und Industriezweige investiert werden, welche ein sehr hohes Gewinnpotential haben, aber auch mit hohen Risiken verbunden sind. Es gibt in dieser Hinsicht einen klaren Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Wachstum und dem Zugang zu Risikokapital für KMU. Innovative KMU haben oft mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen. Risikokapital kann diese Lücke schließen. JEREMIE wendet sich insbesondere an die Privatwirtschaft, denn sie ist der Motor für Wachstum und Arbeit. JEREMIE wandelt einen Teil der Regionalfondsmittel der EU in Risikokapital um und bewirkt dadurch, dass der Fonds ‚intensiver arbeitet’.

Die Hilfestellungen seitens JEREMIE erfolgen auf freiwilliger Basis. Mitgliedstaaten oder Verwaltungsbehörden sind nicht verpflichtet, die Leistungen von JEREMIE zu nutzen. Wenn eine Verwaltungsbehörde an JEREMIE interessiert ist, arbeitet sie mit dem EIF einen Aktionsplan aus, der regionale Finanzlücken und mögliche Lösungen ermittelt. Die Verwaltungsbehörde weist dann einen gewissen Betrag ihrer EFRE-Mittel für Risikokapitalprodukte aus, worauf dann regionale KMU zurückgreifen können. JEREMIE soll so einen Anstieg von Unternehmensgründungen sowie Innovation und Risikobereitschaft fördern.

Nach welchen Kriterien erteilt JEREMIE Hilfe?

Nur KMU, die der Definition der Kommission entsprechen (Empfehlung 2003/361/EG der Kommission), haben ein Anrecht auf Unterstützung von JEREMIE. 99,8 % aller Unternehmen in der EU sind jedoch KMU. Sie leisten den größten Beitrag zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Es gibt in der EU derzeit 25 Millionen KMU, die mehr als 75 Millionen Menschen beschäftigen.

KMU werden in drei Kategorien unterteilt:

Downloads

Wie arbeitet JEREMIE?

JEREMIE wurde ursprünglich von der Kommission am 11. Oktober 2005 anlässlich eines MinisterInnentreffens vorgestellt. Am 30. Mai 2006 wurde dann eine Absichtserklärung zwischen der Kommission und dem EIF unterzeichnet. JEREMIE unterliegt den Bestimmungen der Artikel 36, 44 und 78 der Verordnung des Rates mit allgemeinen Bestimmungen über die Struktur- und Kohäsionsfonds (1083/2006) und der Artikel 43 bis 46 der Durchführungsverordnung der Kommission (1828/2006).

Alle Aktionen im Rahmen von JEREMIE laufen nach demselben Muster ab:

  • 'Lückenanalyse' durch den EIF (2006-2007);
  • Verwaltungsbehörden und EIF erstellen Aktionspläne und unterzeichnen 'Finanzvereinbarungen';
  • Finanzvereinbarungen legen Holdingfonds und Geschäftsbedingungen fest;
  • Holdingfonds wählen FinanzmittlerInnen aus;
  • Holdingfonds unterstützen FinanzmittlerInnen (stellen Firmenkapital sowie Sicherheiten oder Darlehen zur Verfügung);
  • FinanzmittlerInnen stellen KMU finanzielle Mittel zur Verfügung;
  • Darlehensrückzahlungen münden in einen Ressourcenkreislauf.

Die erste Phase von JEREMIE deckt den Zeitraum zwischen 2006 und 2007 ab und beinhaltet ein Programm zur 'Lückenanalyse', um Lücken zwischen Angebot und Nachfrage in Bezug auf Finanzierungstechnik (‚Financial Engineering’) in den Regionen ausfindig zu machen. Diese Maßnahme wird gemeinsam von EIF und Kommission, unter Mitwirkung der Mitgliedstaaten und der regionalen Behörden, durchgeführt und soll die hauptsächlichen Informationen für die Vorbereitung des operativen Programms für den Zeitraum 2007-2013 liefern. Die Kommission ist für die Genehmigung des Programms zuständig. Die Lückenanalyse soll insbesondere bei der Festlegung von Zielen und bei der Ermittlung von geeigneten Maßnahmen helfen, die dann den KMU einen verbesserten Zugang zu finanziellen Mitteln ermöglichen. Die Ergebnisse dieser Bewertungen werden auch den Regionen und den regionalen Verwaltungsbehörden sowie interessierten Holdingfonds und Finanzmittlern zugänglich gemacht.

Die zweite Phase von JEREMIE umfasst die Erarbeitung von Strukturen, die den KMU den Zugang zum neu geschaffenen Risikokapital ermöglichen sollen. Interessierte Verwaltungsbehörden setzen sich erst mit dem EIF in Verbindung, mit dem sie dann einen Aktionsplan ausarbeiten, der die für die Erfüllung der Kriterien des Akquisitionsteils des operativen Programms nötige Beibringung der Finanzsteuerungsmittel und der Dienstleistungskapazität im Kleinstkreditbereich sicherstellt. Diese Maßnahmen werden ‚à la carte’ vorgenommen, d. h. auf die speziellen Bedingungen vor Ort abgestimmt. Auf der Grundlage dieses Aktionsplans erstellen dann die Verwaltungsbehörden und der EIF eine Finanzvereinbarung, die einen geeigneten Holdingfonds festlegt (innerhalb des EIF oder einer anderen Institution), der als eine Art übergeordneter Fonds agiert. Die Finanzvereinbarung legt auch eine Reihe von Geschäftsbedingungen für die Abwicklung des Fonds im Rahmen des operativen Programms fest, u. a. die Höhe der EFRE-Mittel, die die Verwaltungsbehörde dem Konto zuweist. In dieser Phase kann der EIF auch zusätzliche Darlehen zur Verfügung stellen. Diese können bis zum Zehnfachen der EFRE-Mittel eines jeweiligen Projekts betragen.

FinanzmittlerInnen wie z. B. Technologie- und Innovationsfonds und KleinstkreditgeberInnen erhalten dann Firmenkapital, Sicherheiten oder Darlehen von den Holdingfonds und geben diese in Form von finanziellen Mitteln an KMU weiter. Ressourcen, die dann über Darlehensrückzahlungen oder in Form von überschüssigen Geldern (nachdem alle Sicherheiten abgedeckt sind) zum Holdingfonds zurückfließen, werden dann von den Mitgliedstaaten wieder zum Nutzen der KMU verwendet.