Hofmann ©RMBInterview mit Klaus Hofmann

In unmittelbarer Umgebung des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel mit seiner unüberschaubaren Vielfalt an Vogel- und anderen Tierarten ist vor wenigen Jahren ein Ruhepol der besonderen Art entstanden: die St. Martins Therme & Lodge Frauenkirchen. Geleitet wird sie seit der Eröffnung im Jahr 2009 von Geschäftsführer Klaus Hofmann.

Was macht das Burgenland für touristische Betriebe interessant?

Das Burgenland bietet seinen Gästen einen kulturellen Schmelztiegel, eine einzigartige Mischung aus Naturerlebnis, Kulturtraditionen, Wein und Kulinarik. Wem es gelingt, diesen gemischten Satz zu zelebrieren, der spricht damit Gäste aus aller Welt an. Mit der St. Martins Therme & Lodge haben wir am Rande des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel gemeinsam mit der Region direkt an einem renaturierten Badesee einen Rückzugsort geschaffen, wie man ihn sonst nirgendwo in Europa findet.

Die Natur schützen und nützen“ lautet einer der Leitsätze des Burgenlands. Zu Recht. Denn die unberührte Natur rund um den Neusiedler See ist einer der größten Schätze des Landes – und von St. Martins. Viele Tourismusangebote lassen sich weltweit beliebig kopieren. St. Martins kann man dagegen nur im Seewinkel erleben. Wie kaum ein anderer österreichischer Tourismusbetrieb haben wir in unserem Resort das Naturerlebnis zu einem integralen Bestandteil unseres Angebots gemacht. 

Welche Stärken hat das Burgenland? Welche touristischen Potenziale?

Das Burgenland als unberührter Fleck im Herzen Europas bietet qualitätsvolle Erholungsräume, die in der Lage sind, alle Urlaubsträume zu erfüllen. Das pannonische, leicht kontinental geprägte Klima ergibt bis zu 2.000 Sonnenstunden im Jahr. Der Seewinkel gehört zu den wärmsten und wetterbeständigsten Gebieten Österreichs. Gleichzeitig ist das Burgenland mit dem Ausbau der gesundheitstouristischen Angebote entlang der Thermenlinie zu einer Ganzjahresdestination aufgestiegen.

Schon immer war das Burgenland – über die Grenzen hinaus – ein beliebtes Tagesausflugsziel. Immer mehr entdecken die Gäste das Burgenland aber auch als Urlaubsdestination. Ohne lange Anreise, ohne Jetlag und in vertrauter Umgebung. 

Die stark steigende Zahl unserer heimischen Feriengäste zeigt, dass das angespannte globale Umfeld im Tourismus Spuren hinterlassen hat. Viele einst beliebten Reiseziele der Österreicherinnen und Österreicher gelten mittlerweile als unsicher. Das Burgenland hat in den vergangenen Jahren stark aufgeholt und kann heute mit diesen internationalen Reisezielen mehr als mithalten.

Welche Rolle haben EU-Förderungen bei der Entwicklung der St. Martins Therme & Lodge gespielt?

Gemeinsam mit der EU haben die Projektpartner – das Land, die Gemeinden, die VAMED und die finanzierenden Banken – hier in St. Martins mit einer Gesamtinvestition von rund 100 Mio. Euro das größte Tourismusprojekt des Nordburgenlands auf die Beine gestellt. Die Ziel-1-Förderung war zugleich Impuls und Schlüssel für die Umsetzung des ehrgeizigen Projekts. Jeder einzelne eingesetzte Euro hat sich bezahlt gemacht. Wir haben fast 100.000 pro Jahr zusätzliche Übernachtungsgäste in die Region gebracht und sichern damit mehr als 400 direkte und indirekte Arbeitsplätze.

Aber Geld alleine reicht eben auch nicht, es braucht einen guten Standort, ein fundiertes Konzept und viel Ausdauer und Know-how in der Umsetzung. Hier können wir in St. Martins also zu Recht stolz sein auf das Erreichte – es steckt viel Arbeit dahinter.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Tourismus im Burgenland?

Der Tourismus ist eine treibende Kraft für den rasanten Aufstieg des Burgenlands in den vergangenen Jahren. Dennoch steckt vor allem im Qualitätstourismus noch ein ungeheures Potenzial – für die burgenländischen Betriebe ebenso wie für die Menschen im Burgenland. 

Damit die Burgenländerinnen und Burgenländer den Tourismus aber tatsächlich als Chance für sich erkennen, dürfen wir nicht müde werden, auch im eigenen Land für unsere Branche zu werben. Der Tourismus bietet attraktive und flexible Jobchancen, viel attraktiver und flexibler als ihr Ruf. Schon in der Ausbildung müssen wir deshalb beginnen, die Jugendlichen im Burgenland für die Arbeit im Tourismus zu begeistern.  

Deshalb haben wir in St. Martins über die Jahre eine enge Zusammenarbeit mit den Tourismusschulen des Landes und dem Arbeitsmarktservice aufgebaut. Mittlerweile bieten wir 22 jungen Menschen aus der Region einen Lehrplatz an und sind damit einer der größten Ausbildungsbetriebe des Landes. Ich hoffe, dass auch andere Betriebe diesem Beispiel folgen werden.

Was braucht es aus Ihrer Sicht für noch „mehrBurgenland“?

Für noch „mehrBurgenland“ müssen wir schlicht den eingeschlagenen Weg kontinuierlich und qualitätsvoll weitergehen. Von einem Leuchtturmbetrieb wie St. Martins profitiert die gesamte Umgebung. Mehr als die Hälfte unseres Einkaufs beziehen wir aus der Region, in der Kulinarik sind es fast 100 Prozent. Das sind immerhin über 5 Mio. Euro pro Jahr. Und mit dem Verein StarClub haben wir eine Tourismusplattform geschaffen, auf der wir mit rund 50 Betrieben rund um den Neusiedler See eng zusammenarbeiten. 

Was wir brauchen, sind mehr solcher Leuchtturmprojekte, noch mehr qualitativ hochwertige Betriebe und noch mehr Ganzjahresangebote. Dann wird das Burgenland als Urlaubsziel über die Grenzen hinaus noch bekannter und beliebter werden.