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Interview mit Dr. Christian Helmenstein

Dr. Christian Helmenstein ist Chefökonom der Industriellenvereinigung und hat das Phasing Out Programm laufend mit profunden wirtschaftswissenschaftlichen Untersuchungen begleitet.

Welche grundlegenden Effekte haben die Phasing Out-Förderungen im Burgenland bewirkt?

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Die Phasing Out-Förderungen waren von zentraler Bedeutung, um den fortdauernden Aufholprozess des Burgenlandes zu stärken. Das Programm hat die Beschäftigungschancen und die Einkommen der burgenländischen Bevölkerung wesentlich erhöht. 

Noch bedeutsamer mit Blick auf die zukünftige Entwicklung des Burgenlandes ist, dass der Strukturwandel im Bundesland deutlich vorangebracht wurde. Das Burgenland bietet heute von der tertiären Fachhochschul-Ausbildung über leistungsfähige Infrastruktureinrichtungen bis zu Hochtechnologiearbeitsplätzen in der Wirtschaft viele jener Vorteile, die eine leistungsfähige, wissensorientierte und zugleich lebenswerte Region auszeichnen.

Welcher Bereich hat am meisten von den Förderungen profitiert?

Der Erfolg von Förderprogrammen hängt wesentlich davon ab, inwieweit es gelingt, die bereits vorhandenen Stärken einer Region auszubauen und neue Wachstumsfelder zusätzlich zu entwickeln. Gerade für ein kleines Bundesland kommt es daher darauf an, vielversprechende Nischen zu identifizieren. Diese gab und gibt es sowohl in der burgenländischen Industrie als auch in der Tourismuswirtschaft. So ist es durch eine erfolgreiche Nischenpolitik gelungen, den Anteil der Industrie, ganz im Sinne der Europa 2020-Strategie, nicht nur zu halten, sondern sogar noch etwas auszubauen.

Gleiches gilt in längerfristiger Betrachtung für die Tourismuswirtschaft mit ihrer Fokussierung auf hochqualitative Thermenangebote. Besonders stark konnte der Bereich der wissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Dienstleistungen zulegen.

Wo schlummert noch Potenzial, das im Burgenland genutzt werden könnte?

Hohes Potenzial bergen die sogenannten "Superzyklen" der wirtschaftlichen Entwicklung. Das sind globale Veränderungen, die bis in jede Region zurückwirken. Dazu zählt infolge der demographischen Dynamik und der technologischen Innovation der stark wachsende Bedarf an qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln einerseits und an intelligenter Technik andererseits.

In Sachen landwirtschaftlicher Urproduktion und deren Verarbeitung ist das Burgenland produktionsseitig schon heute gut aufgestellt, aber absatzseitig werden die Chancen des Weltmarktes derzeit lediglich ansatzweise ausgeschöpft. Einzelne burgenländische Betriebe könnten bei der Erschließung von Auslandsmärkten eine Vorbildfunktion für das Gros der Produzenten im Bundesland einnehmen.

Technologisch birgt das Burgenland eine Reihe vielversprechender Kompetenzen. Hochspezialisierte Anbieter etwa im Bereich alternativer Energieerzeugung oder umgebungsunterstützter Lebensführung (Ambient Assisted Living) sollten mit energie- und materialeffizienten, intelligenten Produkten punkten können.

Was würden Sie einem burgenländischen Jungunternehmer und/oder einem alteingesessenen Betrieb raten?

Unternehmen benötigen verlässliche und attraktive Rahmenbedingungen. Dazu zählen hochmotivierte und gut ausgebildete Menschen ebenso wie eine effiziente und serviceorientierte öffentliche Verwaltung sowie eine leistungsfähige Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur. Wenn dies gegeben ist, werden die bestehenden und neu hinzukommende Unternehmen den burgenländischen Erfolgspfad fortzuführen vermögen.

Aus betrieblicher Sicht sind Investitionen zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit durch eine höhere Produktivität, Innovationen als Ausweg aus margenschwachen Standardprodukten und eine internationale Orientierung zur Erschließung neuer Märkte von zentraler Bedeutung.